Vampirische Ostern für Isa

1

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Der Tag war geradezu ideal für ihr Vorhaben und Yvor war stolz, seiner Schwester endlich ein wenig Normalität zeigen zu können. Und was wäre nicht normaler, als kurz vor Ostern zusammen Eier zu bemalen.
»Hast du alles bekommen, was ich dir aufgeschrieben habe?«, erkundigte sich Yvi, als sie ihm im Flur entgegenkam. Er nickte grinsend.
»Alles wie gewünscht. Aber wozu du dieses komische grüne Zeug hier brauchst, weiß ich nicht.« Er deutete auf mehrere Packungen von in Plastik eingeschweißte grüne Papierschnipsel, die Yvi lachend entgegennahm.
»Das soll Gras darstellen. Damit füllen wir die Osternester. Bring am besten alles ins Wohnzimmer. Da haben wir genügend Platz für alle.«
Alle? Was sollte denn das bedeuten?
»Hallo, Herr S.!«, erklang hinter ihm eine hell quietschende Stimme und Yvor fuhr herum. Isas Freundin Elly stand im Türrahmen zur Küche und grinste breit.
Natürlich! Isa hatte ihre Freunde mit eingeladen. Die vier waren mittlerweile ja unzertrennlich … Aber eigentlich hatte er sich die Sache anders vorgestellt.
›Das, was man plant und das, was am Ende daraus wird, sind meist sehr unterschiedliche Dinge, mein Schatz‹, hauchte Yvi in seinem Kopf und er brummte.
Alison kam auf Yvor zu und half ihm, die vielen Einkaufstüten ins Wohnzimmer zu schleppen. Er erkundigte sich nach Isa und den anderen und Elly erklärte, sie wären noch bei der Rasselbande im Hundehaus.
»Und was machst du dann hier?«, brummte Yvor und, um nicht allzu schroff zu klingen, fügte er hinzu: »Wieso bist du nicht bei den anderen? Ist doch sicherlich interessanter als hier.«
»Ach, ich dachte mir, ich leiste Yvi etwas Gesellschaft. Sie musste schließlich die Eier ausblasen und die restlichen hartkochen.« Elly zuckte mit den Schultern. Ihr Blick war unschuldig, aber dennoch hatte Yvor das Gefühl, sie verschwieg ihm etwas.
»Na los, spuck es aus!«, knurrte er nun und Alison kicherte.
»Man kann dir wohl nix vormachen, oder? Okay, ich hab Yvi über euch Vampire ausgefragt. Ihr seid echt faszinierend …«
Natürlich hatte sie das. Dieses Mädchen war ein wirklich merkwürdiges Geschöpf. Immer dann, wenn es besser für sie wäre, sich fernzuhalten, saß sie mittendrin. Elly hatte noch nicht einmal nach der Enthüllung, dass ihre beste Freundin eine Vampirdame war, Angst bekommen, sondern sich sogleich deren ›Beißerchen‹ zeigen lassen. Wenn er es nicht besser wüsste, hätte er sie für eine Auserwählte gehalten. Sie war allerdings eine hundertprozentige Normalsterbliche, was ihm der Chefermittler Robert Allerton selbst bestätigt hatte.
»Darf ich dich etwas fragen?«, stocherte Elly nun weiter und Yvor seufzte theatralisch.
»Wenn es unbedingt sein muss …«
»Wieso lebt ihr von Blutbeuteln? Ich meine: Ihr seid so stark, dass ihr uns Normalsterbliche ohne Probleme auch als Haustiere halten könntet«, flötete Isabels Freundin und Yvor glaubte nicht, was er da hörte.
Normalsterbliche als Haustiere? Wie kam sie denn jetzt darauf? Um Zeit zu schinden, räumte Yvor erst sämtliche Einkaufstüten aus, bis er Alison einen weiteren Blick schenkte. Es war schon eigenartig, dass sie diese Frage stellte, wo manche der alten Vampire früher genau diese Einstellung vertreten hatten. In der heutigen Zeit war es natürlich verboten und wurde mit dem Tod bestraft, wenn sie einen erwischten, aber dennoch gab es Exemplare ihrer Spezies, die sich nicht mit Blutbeuteln abfinden konnten.
»Ich frage dich jetzt mal etwas … Du isst doch Fleisch oder?« Elly nickte, worauf Yvor grinste. »Und wieso hältst du keine Hühner, Schweine und Hasen, keine Kühe und unterhältst keinen Fischteich? Du gehst einkaufen, um dich zu versorgen, genau wie wir.«
Dieses Beispiel schien Alison zu beschäftigen. Ihrer Miene konnte Yvor ansehen, dass sie sich damit befasste. Es war allerdings wohl noch nicht vorbei, der verzogenen Lippe nach.
»In Ordnung. Also weniger Stress. Aber was ist mit der Qualität des Bluts? Isa meinte, dass warmes Blut besser schmeckt, als kaltes«, hakte sie nach.
Yvor stutzte. Woher wollte seine Schwester denn wissen, wie warmes Blut schmeckte? Sie hatte sich bisher doch ausschließlich von Blutbeuteln ernährt, oder etwa nicht?
»Ist ja auch egal! Also gibt es unter Vampiren niemanden, der gegen euren Rat rebelliert und trotzdem frisch gezapftes Blut trinkt?«
Allmählich begann Isas Freundin Yvor auf den Geist zu gehen und er war versucht, eine Kostprobe von ihrem Blut zu nehmen. Verdammt! Er hätte sich vor dem Einkauf noch einen Beutel gönnen sollen.
»Elly, ich glaube, die Fragezeit ist um. Yvors Gedanken kreisen gerade darum, dich mittels Biss zum Schweigen zu bringen. Ich denke, das sagt einiges aus«, flötete Yvi, die just in diesem Moment in den Raum kam und Yvor einen Blutbeutel hinhielt.
Elly machte große Augen und ihre Lippen formten ein erstauntes ›oh‹.
»Entschuldigung«, knurrte Yvor, nachdem Yvi ihm einen leichten Klaps gegeben hatte. Seine Frau lachte in seinem Kopf schallend.
›Du wirst dich wohl nie ändern oder?‹
Nein, würde er vermutlich nicht. Wieso auch?

2

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Keine Ahnung, wieso Yvor auf einmal auf Traditionen Wert legt«, seufzte Isabel und kraulte Hannibal hinter einem der kleinen Öhrchen.
Sie hatte keine Lust auf dieses Spielchen von heiler Welt, wenn es in ihr so chaotisch aussah. Isa hatte diese ständigen Geheimnisse und das Versteckspiel satt.
»Ich finde es irgendwie schön. Ostern ist ein Fest für die Familie«, sagte Jonas leise und betrachtete sie mit schief gelegtem Kopf, ein sanftes Lächeln auf den Lippen.
Natürlich fand er es klasse! Kristin und er hatten nie wirklich eine Familie gehabt, mit der sie solche Feste und Traditionen pflegen konnten. Aus diesem Grund hatte Isa sie ja auch eingeladen, dieses Ostern mit ihnen zu verbringen. Mit ihr, ihrer Familie und deren Freunden.
»Jetzt hab dich nicht so. Clint und Antonija kommen später auch vorbei zum Eier suchen. Es wird bestimmt witzig. Schade nur, dass Elly nach Hause muss, aber ihre Eltern wollen ja auch noch was von ihr haben.« Kristin, die sich Bärchen geschnappt hatte und diesen wie ein zu dickes Kuscheltier durch die Luft bewegte, als würde er fliegen, zwinkerte ihr verschmitzt zu. »Wir könnten später auch die Hunde frei lassen. Die finden bestimmt alles, was aus Schokolade ist in Windeseile. Dieses Dickerchen hier auf jeden Fall!« Sie gluckste.
»Na, in Sachen Schokolade kenne ich aber noch eine, die Bärchen in nichts nachsteht. Du hast schließlich bereits seit vorgestern vier Osterhasen vernichtet …« Jonas lachte, als Kristin ihm die Zunge raus streckte.
»Die waren nun einmal lecker. Außerdem hatten wir nichts anderes im Haus«, schmollte Isas Freundin und brachte Isabel ebenfalls zum Grinsen. Sie vergaß ständig, wie sich Mädchen in ihrem Alter normalerweise verhielten.
»Ich glaube, wir sollten langsam wieder ins Haus gehen, nicht, dass Elly Yvi noch zu viele Löcher in den Bauch fragt. Sie hat mich die letzten Tage und Wochen auch ständig über Phönixe ausgefragt und diese waren meist sehr unangenehm.« Jonas erhob sich und hielt Isa die Hand hin, um ihr ebenfalls auf die Beine zu helfen. Lächelnd ergriff sie diese und ließ sich hochziehen.
»Ja, Elly kann ziemlich nervig sein. Aber was soll ich sagen: Ich mag sie trotzdem«, kicherte Kristin. »Und du musst zugeben, dass Vampire und Phönixe schon interessant sind. Ich hätte zwar nie gewagt zu fragen, wie es mit Inzest im Phönixorden aussieht, aber sowas ist typisch für Alison. Sie ergründet gern alles ganz genau.«
Sie lachte abermals bei dem Anblick von Jonas, der die Miene verzog bei dem Gedanken. Ja, Elly hatte eine Gabe, Fragen zu stellen, die einem peinlich werden konnten.
»Hoffentlich ist Yvor nicht da. Ich weiß nicht, wie er auf Ellys Wissensdurst reagiert.«
»Also eigentlich hat er es ziemlich lang mit mir ausgehalten, ehe er darüber nachdachte, mich zu beißen«, tönte es hinter ihnen und Isa fuhr herum. Elly stand breit grinsend im Eingang zum Hundehaus. »Ich soll euch holen.«
»Schön, dass du noch lebst«, sagte Kristin glucksend und klopfte Alison im Vorbeigehen auf die Schulter.
»Ja, wunderbar«, knurrte Jonas und zog eine Augenbraue nach oben, was wiederum Isa zum Schmunzeln brachte. Gut, dass die beiden sich mochten …
Im Haus hatte Yvi bereits alles vorbereitet, um, wie es die Tradition vorsah, die Eier zu bemalen. Wie von ihr gewohnt, hatte sie alle Farben und schon ausgeblasenen Eier der Reihe nach hingelegt und wartete darauf loszulegen. Yvor wirkte etwas angespannt, wie er in seinem Sessel saß, aber nachdem, was Elly von sich gegeben hatte, war es wohl kein Wunder.
»Wollen wir? Ich bin wirklich gespannt, wie die Eier am Ende aussehen werden«, sagte Yvi und klatschte in die Hände. Isa hoffte, dass das nicht die Vorfreude einer Psychotherapeutin war, denn unter die Lupe genommen zu werden, kam ihr wenig reizvoll vor.
»Keine Sorge. Nur Eier bemalen«, flüsterte sie nun und lächelte. Klar, dass sie Isabels Gefühle aufgeschnappt hatte. Erleichterung machte sich dennoch in Isa breit und sie nahm neben Yvi Platz und betrachtete die Eier und Farben auf dem Wohnzimmertisch.
»Folgt man hierbei irgendwelchen Regeln oder darf man einfach drauf losmalen?«, erkundigte sie sich.
»Natürlich gibt es Regeln!« Elly hielt einen Finger hoch in die Luft und feixte. »Möglichst die Farbe auf die Eier und wenig auf dich selbst klatschen … und falls doch, muss es schön ekelig aussehen.«
Kristin und sie lachten und auch Yvi stimmte in das Lachen ein.
»Keine Regeln, nur malen und Spaß haben«, raunte Jonas neben ihr und schenkte Isa eins seiner Lächeln, das sie so an ihm liebte.

3
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Also ich weiß ja nicht … Sollen Eier wirklich so aussehen?«, erkundigte sich Yvor und betrachtete die quietschbunten Dinger vor sich.
Die jungen Leute hatten sich daran förmlich ausgetobt und während seine Eier eher in einer oder zwei Farben gehalten waren, hatten die von Isa, Kristin, Elly und Jonas wilde Muster und sämtliche Farben, die Yvis Malkasten hergegeben hatte.
›Das ist schon okay so. Du siehst doch, sie haben Spaß und das ist schließlich alles, was zählt.‹ Yvi lächelte und strich ihm sanft übers Haar. Sie war während des Malens aufgestanden und hatte sich neben Yvor gesetzt, um die Kinder genau beobachten zu können. Eine eigenartig wissende Miene war auf ihrem Gesicht zu sehen und er fragte sich, was ihr nun schon wieder aufgefallen war, von dem sie ihm nichts preisgab. ›Du musst nicht immer alles wissen, mein Schatz. Die Zeit wird es dir schon zeigen. Hab etwas Geduld.‹
Geduld war nun wirklich nicht das, was zu seinen großen Stärken zählte, aber er würde nicht weiterbohren. Er wusste, wie sehr Yvi dies nervte, also übte er sich besser in der vielbesagten Geduld.
»Also ich will mein Ei jetzt unbedingt aufhängen. An welchen Strauch dürfen wir?«, fragte Elly und hielt ein sehr bunt bemaltes mit Fangzähnen, Schwertern und vor ›Blutstropfen‹ triefendes Ei hoch. Wie sie so viele Motive auf dieses kleine Ei bekommen hatte, war Yvor ein Rätsel, aber sie hatte es ganz offensichtlich geschafft.
»Direkt an der Tür zum Garten ist ein Strauch, da kannst du sie aufhängen. Der ist überdacht und so werden die Eier nicht nass, sollte es regnen«, verkündete Yvi und ging mit Elly hinaus. Kristin und Jonas folgten ihnen, sodass am Ende nur Isabel noch dasaß.
Seine Schwester betrachtete nachdenklich das Ei, welches einen kleinen Hasen auf einer Wiese zeigte. Yvor fand, dass es eins der schönsten Bilder war.
»Weißt du was? Ich glaube, ich mag Ostern …«, flüsterte sie auf einmal und ihre blauen Augen sahen ihn direkt an. Es war ein sehr durchdringender Blick.
»Schön, wenn es dir gefällt. Ich hoffe, dass wir noch einige Feste haben, die dich begeistern werden«, gab Yvor zurück und Isabel lächelte.
»Die Feste sind im Grunde egal. Ich finde es mit euch zusammen schön, egal welches Fest. Es ist ein tolles Gefühl, zu einer Familie zu gehören und Freunde zu haben«, hauchte sie beinahe und er bekam eine Gänsehaut. Seine kleine Schwester war mit ihren siebzehn Jahren oftmals um einiges erwachsener, als Yvor erwartete.
»Hab ich dir eigentlich schon gesagt, wie froh ich bin, dass du hier bist?«, raunte er und Isa schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.
»Bis jetzt noch nicht.«
»Ich bin froh … Wirklich sehr froh, Schwesterherz!«

4
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Yvi spürte genau, was im Haus vor sich ging und lächelte selig. Es wurde auch Zeit, dass sich die beiden Geschwister näher kamen. Die beiden, obwohl unterschiedlich erzogen, waren sich oftmals so ähnlich, dass es sie gewundert hatte, dass sie sich nicht besser verstanden.
»Alles okay?« Jonas stand neben ihr und betrachtete sie alarmiert.
»Ja, alles okay. Die beiden reden.« Yvi zwinkerte Isas Freund zu. Sie wusste genau, was er für Yvors Schwester empfand. Selbst ein Blinder hätte das gesehen. Er war beschützend und liebevoll in ihrer Gegenwart. Wieso Yvor das nicht erkannte, war Yvi schleierhaft. »Komm, lass uns die Nester verstecken.«
Jonas grinste. Seine grünen Augen funkelten dabei und Yvi konnte Isabel nur ein Lob aussprechen. Der Typ war wirklich süß.
Zusammen mit ihm, und von Kristin und Elly unbemerkt, versteckten sie die Osternester an den ungewöhnlichsten Stellen im Garten und warteten dann, dass Yvor und Isabel ebenfalls zu ihnen nach draußen kommen würden.
»Ich muss leider los. Meine Eltern warten bestimmt schon. Danke, Yvi, war wieder toll bei euch«, verabschiedete sich Alison und Yvi umarmte Isabels Freundin kurz.
»Sag deinen Eltern einen schönen Gruß und es wäre prima, wenn wir uns mal wieder treffen würden.«
Yvi wunderte sich nicht, als Elly daraufhin das Gesicht zu einer Grimasse verzog. So gern sie Isabel auch hatte, aber ihre Eltern zu Vampiren nach Hause zu bringen, würde wohl nicht infrage kommen. Yvi kicherte. Also war die Kleine doch noch eine mitdenkende Normalsterbliche.
»Machs gut! Schreib mir heute Abend, ja?« Kristin brachte Elly raus und Yvi blieb mit Jonas allein im Garten zurück.
»Ich habe übrigens auch ein kleines Ostergeschenk für Isabel. Wäre es okay, wenn ich es in ihrem Zimmer verstecke?« Jonas wirkte unsicher, zog jedoch ein kleines Schmuckkästchen aus der Hosentasche. »Es ist eine Kette mit einem Glücksbringer daran. Ich dachte mir, nach unserem letzten Abenteuer könnte sie sowas brauchen.«
Er zog kurz den Deckel des Kästchens ab und Yvi grinste, als sie das silberne vierblättrige Kleeblatt sah. Ein hübsches Geschenk.
»Ich denke, das Alibi kann ich dir verschaffen«, sagte sie leise und verschwörerisch. Jonas dankte ihr mit einem weiteren Grinsen.
Und dieser Junge hatte wirklich gegen einen Vampir gekämpft und gewonnen? Bei dieser Erinnerung konnte Yvi nur den Kopf schütteln. In Jonas steckte wahrlich mehr, als er im ersten Moment zeigte. Kein Wunder, dass der Rat ihn weiterhin beobachten ließ. Hoffentlich gab es keine unerwarteten Schwierigkeiten.
»Du siehst schon wieder so nachdenklich aus«, stellte Jonas fest und Yvi bemühte sich, ein Lächeln aufzusetzen.
»Ach, nur viel zu organisieren. Das ist der Nachteil von Festen. Wenn man Besuch bekommt, ist immer was zu tun. Ich muss die Lammkeulen noch weiter vorbereiten. Das hab ich natürlich verdrängt.«
Jonas bot sich an, ihr zu helfen. Er war ein guter Koch. Yvi erzählte ihm von ihrem Festtagsmenü und er wirkte ziemlich angetan davon. Es wäre sicherlich gut, noch weitere helfende Hände in der Küche zu haben, denn die Gäste kamen bereits in ein paar Stunden und es mussten noch die Keulen in den Ofen, die Tische aufgestellt und eingedeckt werden und was Yvi sonst noch alles vergessen hatte.
»Keine Sorge. Wir bekommen alles hin. Du scheuchst uns und wir springen.« Yvor kam zusammen mit Isa in den Garten und lächelte. »Isa und ich stehen dir ebenfalls zur Verfügung. Wäre doch gelacht, wenn unsere Verwandtschaft und Freunde am Ende nicht begeistert wären. Wir wollen doch, dass es unvergesslich wird, nicht wahr?«
»Auf jeden Fall!« Isa kicherte.
»Wunderbar … Dann würde ich vorschlagen, Yvor und du stellt schon mal die Tische und Stühle auf, während Jonas und ich uns um die Vorbereitungen in der Küche kümmern. Einverstanden?«, schlug Yvi vor und zwinkerte Jonas kurz zu. So hätte er auch die Zeit, um schnell in Isabels Zimmer zu verschwinden. Yvor und Isa krempelten die Ärmel hoch und auch Kristin erklärte sich zum Helfen bereit, nachdem sie zurück in den Garten gekommen war. So würde es definitiv gut vorangehen.
Yvi strahlte.

5
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Auf das schönste Osterfest bisher in meinem Leben!« Antonija erhob das Glas und prostete Yvi und Yvor zu, die breit grinsten.
Mike und Violetta, sowie Clint, Kristin und Jonas pflichteten Toni lautstark bei. Isabel strahlte und tastete unter dem Tisch nach Jonas´ Hand. Seine warmen Finger schlossen sich um ihre.
»Das freut uns sehr«, erhob sich Yvor altmodisch und ergriff Yvis Hand. »Ohne meine Yvi wäre das hier allerdings alles nicht möglich gewesen. Danke mein Schatz für dieses einmalige Fest.«
Seine Lippen berührten ihre Handinnenseite und Isa grinste, als es Yvi die Röte auf die Wangen trieb. Es war schön, zu sehen, wie sehr diese Frau ihren Bruder liebte. Alle begannen zu klatschen. Clint und Kristin pfiffen und Mike brüllte etwas von ›Zugabe!‹, was Isa zum Lachen brachte. Yvis Bruder war ein liebenswerter Kindskopf.
»Ich geb dir gleich ›Zugabe‹!«, lachte auch Yvor und überließ Yvi nun das Wort, die sichtlich um Fassung rang.
»Nun!« Sie räusperte sich. »Ich freue mich natürlich auch, dass es euch geschmeckt hat. Ich weiß, das Lamm hätte wohl noch länger im Ofen bleiben können, aber da waren vier Männer mit Hunger und die soll man bekanntlich ja nicht warten lassen«, scherzte Yvi.
»Gut so!« Clint lachte bellend und wurde von Antonija mit einem Stoß in die Seite bedacht.
»Und weil wir ja dieses Jahr alles ausschöpfen wollen, werden wir gleich eine Runde Ostereier suchen. Es gibt Nester, einzelne Ostereier, Schokohasen und andere Leckereien. Suchen kann man auf dem gesamten Grundstück, Erfolg hat man jedoch hauptsächlich im Garten. Viel Spaß wünsche ich euch!« Yvi gab das Zeichen und Yvor drückte auf einen Schalter an der Wand. Der Garten wurde auf einmal durch verschiedene LEDs in sämtlichen Farben erhellt. Isa staunte, denn wann Yvor diese angebracht hatte, wusste sie nicht.
»Wow! Also ich muss schon sagen … Das hat was!«, raunte Jonas und zog Isas Stuhl nach hinten, dass sie aufstehen konnte.
Die Anwesenden begannen, den Garten zu durchkämmen, und hatten unheimlich viel Spaß dabei. Vor allem, als ihnen auffiel, dass Yvors und Yvis Rasselbande ebenfalls herumstreunten und sich an der Suche beteiligten, gab es großes Gelächter. Bärchen hatte bereits einige Nester ausgeräumt und Schokoladenpapier hing in seinem hellen Fell. Diese Hunde waren wirklich ein Thema für sich.
»So viel dazu, wieso wir Vampire keine Normalsterbliche als Haustiere halten«, knurrte Yvor leise in Yvis Richtung. »Wir schaffen es ja nicht einmal, ein paar kleine Hunde zu zähmen …«
Isabel lachte. Es war wirklich das schönste Osterfest, das sie jemals gefeiert hatte und sie hoffte inständig, dass noch viele davon folgen würden!